Unverkäufliche Schlichtheit, besserer Mist, bisschen Musik

 
Eine der besseren Seiten des Bürolebens: Schöne Wörter und Ausdrücke in Zusammenhängen, in denen man wirklich, wirklich nicht mit schönen Wörtern oder Ausdrücken rechnet. Diese Woche: „Unverkäufliche Schlichtheit“.
Erstens: Leergefegte Küstenlandschaft, platte silbergraugrüne Wiesen und ein paar vor Wind schiefgewachsene Bäume unter großem Wolkenhimmel, dazwischen ein Streifen Meer mit ein paar leuchtenden Sonnenflecken. Kriegste nicht zu kaufen, ist nur da.
Zweitens: Simple Skulptur, so eine Art größere elegante Steinkartoffel, auf einem weißen Sockel in einem weißen Ausstellungsraum, im Hintergrund an den Wänden hängen ein paar einfache Bilder in Dunkelgrautönen, die könnte man kaufen. Die Kartoffel hat es aber dem Künstler selbst so angetan, dass er sie gar nicht hergeben mag. Drum der Titel der Skulptur auf dem kleinen Schild am oberen rechten Eck des Sockels, Unverkäufliche Schlichtheit, alles gesagt.

Drittens und langweilig und „in echt“ gemeint, Kriegen wir marketingmäßig nicht los, zu wenig blinkendes Bohei.
Muss man sich aber nicht merken.

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Wochenendlektüre: The Good Muck von Donald Worster; ein längeres Essay, es geht um Scheiße, schöner ausgedrückt um die Verwendung von Fäkalien in der tradititionellen Landwirtschaft in China, europäische Forschung dazu und darum, wie man gerne mal bei anderen die Wurzel oder aber die Lösung aller Übel zu sehen meint, obwohl die vielleicht einfach nur anders Mist machen.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob und wie man das Thema mit der kürzlichen Absage Chinas zusammenbringen sollte oder könnte, noch länger den unrecyclebaren Recyclingmüll der Welt entgegenzunehmen. Jedenfalls kann man sich die Online-Schriftenreihe mal merken, in der das erschienen ist, die RCC Perspectives des Münchner Rachel Carson Centers. Sehr viel Lesenswertes zu Umwelt und Gesellschaft und Literatur von Leuten, die wirklich was wissen, einfach so, geschenkt und nach zu Hause, großartig.

http://www.environmentandsociety.org/perspectives/2017/5/good-muck-toward-excremental-history-china

Ich glaube, als Gartenlektüre geht es nicht unmittelbar durch; dafür besser auf die Samenkataloge beschränken, die endlich mal ernsthaft durchgegangen werden wollen.

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Sehr gutes Konzert gestern und Tonspur heute: Bosna aus Wien.
https://soundcloud.com/mekongg/asian-invasion-demo-version