kalt

November, und eher früher Morgen, die gegenüberliegende Seite der ziemlich leeren Theresienwiese ist vom Nebel geschluckt, ebenso die Tollwood-Zelte am Nordende und jede andere theoretisch naheliegende Begrenzung einer kalten, platten, verlassenen Ebene aus grüngrauem altem Gras, kahler Erde und Teer, die sich da jetzt stattdessen in alle Richtungen bis zum Horizont erstreckt. Links vor mir ist in unbestimmbarer Entfernung schemenhaft ein Lastwagen auf einer Fahrspur abgestellt, schräg rechts quert ein schwer vermummter Wanderer die Einöde, und das Ganze findet jetzt ebenso gut am Meer oder im kanadischen Hinterland oder irgendwo in Russland statt, aber eher nicht hier, es geht im Nebel kurz endlos und himmelweit kalt und still immer so weiter, bis man vielleicht irgendwann am Hafen steht oder an einer Tankstelle einen Kaffee bekommt. Es ist ganz gut, ein Fahrrad zu haben, zu Fuß käme man da nie an.

 

Wobei mir einfällt, dass ich „Der Schneesturm“ schon seit zwei Wochen nicht mehr weitergelesen habe, während der Erzähler also all diese Zeit in seinem offenen Schlitten festsitzt und langsam zu erfrieren anfängt, es ist sehr unfreundlich von mir. Zwei Wochen können sehr lang sein.

 
 
 

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