Im Schrank der alten Dame

Im Schrank der alten Dame war ein leises Klappern zu hören. Ein schwaches Rascheln und Murmeln im Dunkeln hinter den Schranktüren, ein Flüstern von Kleiderbügeln und ein Seufzen von Stoff.
„Ich will nicht klagen, aber ich hänge schon so lang in diesem Schrank auf meinem Bügel, ich glaube, ich bin schon daran festgewachsen“, sagte der kurze schwarze Mantel mit dem schönen roten Futter und dem silbergrauen Besatz am Saum zu der Camisole aus mattweißer Seide, die links neben ihm hing. „Früher habe ich Madame so ausnehmend gut gestanden, wenn wir zusammen durch die Straßen gingen. Alle haben sich nach uns umgeschaut. Am schönsten war es, wenn Wind wehte und Madame um eine Ecke verschwand, während sie uns nachsahen. Dann sah ich ein wenig dramatisch aus. Ich wehe sehr gerne im Wind um die Ecken.“ Er versuchte, in der stillen Luft des Schranks ein bisschen hin und her zu wehen, aber er stieß nur gegen die praktische Gartenhose zu seiner Rechten, die etwas ungehalten „He!“ murmelte und dann weiterschlief.
„Aber du hast immerhin etwas von der Welt gesehen“, sagte die Camisole. „Ich nicht. Ich musste immer unter Blusen und Kleidern versteckt werden. Dabei habe ich die schönsten Spitzen. Und ich könnte ganz sicher auch wunderschön im Wind wehen.“ Sie ließ die Schultern hängen.
„Ach, die Welt“, sagte der gute Hut. Es klang etwas gedämpft, denn er steckte in einer Hutschachtel, die ganz hinten im Schrank auf einer Schuhschachtel balancierte. „Die Welt habe ich auch nicht gesehen, nur die ein oder andere Straße in dieser Stadt, und einmal waren wir in Rom. Da war es schön. Manchmal sah ich auch eine Kirche von innen, oder eine Theatergarderobe, aber nie das Stück, das gespielt wurde. Ich bin ein Hut! Ich wollte hoch hinaus! Madame ist klein. Das macht ja nichts, aber sie hätte ruhig mal mit mir auf einen Baum klettern können oder mich vor Freude in die Luft werfen. Ich wollte auch hin und wieder vom Kopf geweht werden und ein Stück über den Bürgersteig rollen, wie Hüte das so tun, aber sie hatte meine schönen blauen Bänder immer fest unter dem Kinn verknotet … aber das ist alles lange her. Geht sie überhaupt noch vor die Tür? Mich hat sie jedenfalls schon ewig nicht mehr aufgesetzt.“
„Dafür sitzt du jetzt uns auf dem Kopf, wenn wir einen hätten –“ „– und beklagst dich“, sagten zwei Stimmen aus der Schuhschachtel unter der Hutschachtel. Sie klangen ein wenig spöttisch, aber auch ein wenig niedergeschlagen. „Uns hat sie gekauft, kurz bevor sie sich das Bein so schlimm gebrochen hat.“ „Und dann konnte sie uns nie tragen.“ „Wir sind feste Schuhe –“ „– ordentliches Schuhwerk –“ „– mit uns kann man weit gehen –“ „– wir wollten mit ihr noch durch ferne Länder wandern –“ „– kleine Pfade durch tiefe Wälder finden –“ „ – über Berge und an Bächen entlang, und in alten Städten durch die engen Gassen streifen –“ „– und in Burgruinen herumklettern, obwohl der Zutritt verboten ist …“
– „Hört auf zu jammern!“ sagte das Lieblingshemd aufgebracht. „Wir werden alle nicht mehr angezogen. Madame geht es nicht gut. Und wenn sie nicht mehr ausgehen kann, dann will ich es auch nicht.“

Der Schrank verfiel in schuldbewusstes Schweigen.

Dann wisperte der Mantel der Camisole zu: „Du bist schief aufgehängt, dein Bügel rutscht schon fast ab …“ – „Kann ich dafür etwa was?“ zischte die Camisole zurück, aber der Mantel unterbrach sie: „Psst, bevor wir das traurige Lieblingshemd stören … Ich meine: Wenn du noch ein wenig am Bügel entlang rutschst, dann bekommt ihr Übergewicht [– Übergewicht, ich, tsss, ich bin federleicht!, dachte die Camisole –] und kippt von der Kleiderstange, und dann kannst du schnell den Bügel an mir einhaken und mich auch von der Stange ziehen, ich bin selber unordentlich aufgehängt …“ – „Und dann?“ flüsterte die flammend rotorange Stola, die sich den Bügel mit dem Mantel teilte. Sie hatte in grauen Novemberstraßen unter seinem Kragen hervorgeleuchtet und gut zu seinem roten Futter gepasst, das manchmal aufblitzte, wenn er um die Ecken wehte. Dann hatte es ausgesehen, als brenne zwischen Madame und ihrem kurzen schwarzen Mantel ein kleines heißes Feuer. „Dann falle ich gegen die Tür, ich bin schwer genug, und sie geht ein wenig auf und wir landen auf dem Boden. Ich glaube, die Balkontür ist offen, ich höre da draußen ein wenig Wind … ich würde so gern noch mal den Wind spüren, bevor sie uns irgendwann in die Plastiksäcke stopfen …“ Die Stola zitterte leicht. Sie war bis vor Kurzem als eine der Letzten noch gelegentlich vor die Tür gekommen und wusste sehr gut, dass nichts in diesem Schrank noch als zeitgemäß und tragbar gelten würde. „Plastiksäcke?“ fragte dagegen leise die Camisole, die nichts von der Welt gesehen hatte und daher nicht wusste, was Tag für Tag an besonders trostlosen Straßenecken in dieser Stadt geschah: Ganze Schrankschaften von Kleidungsstücken, in Müllsäcke gestopft, verschwanden in gefräßigen lichtlosen Metallkisten, einem unbekannten Schrecken entgegen, und wurden nie wieder gesehen, nicht an ihren alten Trägern und nicht an neuen. Der Mantel wollte die Camisole nicht erschrecken, er tat so, als habe er nicht gehört und flüsterte weiter: „Und vielleicht können wir auch den Himmel sehen, ich bin Oberbekleidung, ich gehöre ins Freie. Und du wolltest doch auch immer einmal dorthin …“ „Ja“, hauchte die Camisole, „ja … aber wir können doch nicht einfach gehen … ohne Madame …“ – „Aber wir können auch nicht mehr mit ihr ins Freie gehen. So ist es nun einmal, sie kann nichts dafür und wir auch nicht“, wisperte die Stola unter dem Mantel hervor.
Die Camisole hing ein paar Sekunden still und dachte an Madame, die schon lange keine Verwendung mehr für sie hatte. Sie hatte sie trotzdem immer sorgfältig aufbewahrt und ihr regelmäßig einen neuen kleinen duftenden Talisman an den Bügel gehängt, um sie vor den fliegenden Grauen zu beschützen. Sie wisperte etwas, das wie eine Entschuldigung klang, und dann kippte sie von der Kleiderstange.

Ihr Bügel war leicht, aus ganz dünnem Draht, sie schwebte beinahe mehr, als dass sie fiel. Im Flug streckte sie eins ihrer elegant geschwungenen Bügelenden nach dem Mantel aus und nahm ihn am Ärmel. Der Mantel stützte sich an der praktischen und ziemlich steifen Gartenhose ab, gab sich einen Ruck und kippte der Camisole nach –
– ein He! zwischen dem vielen Stoff, Rutschen und Fallen, dann knarrte ganz leicht die hölzerne Tür, ein Lichtstreif fiel ins Dunkel und weckte die eleganten Handschuhe aus dünnem weißen Leder, die auf der oberen Ablage schliefen, und Camisole und Mantel stürzten in einem unelegant verschlungenen Haufen auf den Boden vor dem Schrank.

Dann schien eine Weile nichts zu passieren. Aber wenn man wieder hinsah, hatten sich Mantel und Camisole entwirrt und ein wenig aufgerichtet, um sich umzusehen. Im Zimmer herrschte tatsächlich ein leichter Luftzug. Die Tür zum Balkon stand ein wenig offen, und vom Boden aus konnten sie ein Stück Himmel über dem Balkongeländer sehen und den Wipfel eines Baumes. Sie streckten sich und strampelten und versuchten, näher heranzukommen.
Es war ein Rascheln und Rutschen, und zuerst ging nichts voran. Dann stellte die Camisole fest, dass sie mit ihren Bügelarmen auf den Dielen Halt fand und vorwärtsstaken konnte, besonders, wenn sie gleichzeitig ein wenig mit dem Stoff schlug. Der Mantel war zu schwer, um sich auf seine Ärmel zu stützen. Aber er konnte seinen Stoff in Wellen werfen und wieder glätten. Es sah ein wenig aus wie eine große platte schwarze Schlange, die zu fliegen versucht, oder wie ein Teufelsrochen in zu wenig Wasser. Die Stola, die so lang war, dass sie unten aus ihm heraushing, während sie oben, fest um den Bügel geschlungen, aus seinem Kragen hervorsah, gab die Richtung vor. Sie krochen und flatterten auf den Türspalt zu, und dann zwängten sie sich durch ihn hindurch und waren draußen auf dem kleinen Balkon.
Die Camisole ließ den Wind durch ihre ganze weiße Länge fahren und flattern, und sie hob den Bügelkopf, um in den Himmel zu sehen. Um ganz bei der Wahrheit zu bleiben, war sie nicht zum ersten Mal im Freien – eigentlich war es das zweite Mal, früher einmal hatten sie und das Hemd, das danach immer das Lieblingshemd gewesen war, neben Madame zusammen im Gras gelegen, aber damals war es Nacht gewesen und dunkel, obwohl ein dünner Sichelmond schien, und überhaupt gehörte das nicht hierher –

Auf dem verschnörkelten schmiedeeisernen Balkongeländer landete eine Krähe. Sie legte den Kopf schief und sah mir ihren funkelnden schwarzen Knopfaugen die beiden Kleiderbügelgestalten an. „Was seid ihr denn für hässliche große Vögel?“, fragte sie. „Seid ihr aus dem Nest gefallen, bevor ihr fliegen gelernt habt? Und warum habt ihr so dürre Köpfchen? Die reinsten Hungerhaken! Hat man euch nicht vernünftig gefüttert?“ – „Wir sind Kleidervügel“, sagte die Camisole, „und nein, wir können noch nicht fliegen.“ Der Mantel schlug zur Bekräftigung mit seinen Kleiderflügeln. Er hob sogar ein wenig ab, aber vielleicht war es auch nur der Wind, der unter seinen schön besetzten Saum fuhr, und nach etwas hektischem Geflatter fiel er in einem zerkrumpelten Haufen zusammen. „Ts!“, machte die Krähe. „Ihr Armen! Wart ihr bei Menschen? Das merkt man. Bei Rabeneltern gäbe es so was nicht – so groß und noch nicht fliegen können. Ts! Ts! Na gut, ich bringe es euch bei. Schaut her – “

 

:–:–:

 

Im Salon neben dem Ankleidezimmer saß die alte Dame an einem kleinen Tisch nahe am Kamin, in dem ein kleines heißes Feuer brannte. Sie trank Tee mit einer jungen Frau, die ein wenig so aussah, wie die alte Dame früher ausgesehen hatte: Sie trug ein hochgeschlossenes, langärmliges, dunkelgraues Kleid mit einem engen Oberteil und halbhohe geschnürte Stiefel, wie man es in der Jugend der alten Dame getragen hatte, auch wenn es damals schon ein wenig altmodisch gewesen war. Die junge Dame war sehr bleich und ein wenig undeutlich an den Rändern. Sie schien mit der Dämmerung in den Zimmerecken zu verschwimmen, wenn man zu genau hinsah – wenn denn jemand dagewesen wäre, um zu genau hinzusehen. Für die alte Dame war es umgekehrt. Während sie ihren Salon in letzter Zeit jeden Tag ein wenig unschärfer sah, sah sie die junge Dame immer deutlicher. Die junge Dame war auch nicht zum ersten Mal zu Besuch. Sie leistete der alten Dame oft beim Tee Gesellschaft, wenn sonst niemand bei ihr war. Sie erzählte ihr dann von den fernen Ländern, die sie bereiste, von Wüsten und Steppen und Gebirgsebenen im letzten Tageslicht, von den Sternen über dem Meer und dem Schatten unter den alten Bäumen, die in noch älteren Städten in den engen Gassen und den kleinen Hinterhöfen wuchsen. Sie erzählte ihr, was die Menschen am anderen Ende der Welt heute zum Frühstück gegessen hatten und wie es um die Hochzeitsvorbereitungen auf einem kleinen Bauernhof nahe der Nachbarstadt vor dreihundertfünfundzwanzig Jahren gerade stand. Sie erzählte vom Duft tiefer Wälder, von den glatten Steinen auf dem Grund der Bäche, vom Wind zwischen den Galaxien, vom Weg von einer nächtlichen Wiese bis zum Sichelmond und dem Dunkel zwischen den Sonnen und von den blassrosaroten, samtweichen Blüten der Pfingstrosen.
Wenn ihre Geschichte zu Ende und die Teekanne leer war, sagte sie jedes Mal: „Vielen Dank für den Tee und die Gesellschaft. Ich mache mich jetzt wieder auf den Weg. Hast du Lust, mitzukommen?“ Die alte Dame hatte dann immer höflich abgelehnt. Sie hatte den Gast zur Tür begleitet, und die beiden Frauen hatten sich angelächelt, bevor die junge die Treppe hinab und fortgegangen war.
Dann vergingen manchmal einige Wochen und manchmal nur ein paar Tage, und dann klingelte es zur Teezeit wieder an der Tür, und die alte Dame bat die junge Dame in ihren Salon.

Heute war es ganz genauso gewesen, aber als die junge Dame am Ende wie immer fragte, ob ihre Gastgeberin sie begleiten wolle, lehnte die alte Dame nicht höflich ab. Sie zögerte ein wenig, sah sich noch einmal im Salon um, stocherte noch einmal im Feuer und rückte die Teekanne zurecht. Dann sah sie ihrem Gast in die grauen Augen und sagte:
„Ja.“
– „Bist du dir sicher?“ fragte die junge Dame. „Ja,“ sagte die alte Dame, „ja, jetzt habe ich Lust, mit dir wegzugehen.“ Sie schwiegen eine kleine Weile. Dann sagte die alte Dame: „Warte nur kurz, ich muss mir noch die richtigen Schuhe anziehen. Es ist ja ein weiter Weg.“ „So weit, wie du möchtest“, sagte die junge Dame, und die alte Dame sah unternehmungslustig aus und sagte: „Also weit!“ Sie erhob sich mit einem Ächzen und ging, schwer auf ihren Stock gestützt, langsam und humpelnd ins Zimmer nebenan zu ihrem alten Schrank. Die Tür stand einen Spaltbreit offen. Hab ich ihn das letzte Mal gar nicht richtig zugemacht? dachte sie, na, egal. Sie strich noch einmal über den Stoff ihres alten Lieblingshemdes, dann stelle sie vorsichtig die hübsche Hutschachtel zur Seite, holte die Schuhschachtel darunter hervor und trug sie zur Wohnungstür.
Während sie die festen Schuhe langsam und gründlich zuband, sagte sie zu der jungen Dame: „Ich dachte immer, der Tod ist ein Mann. Aus Knochen.“ „Das kommt schon mal vor“, sagte die junge Dame, „aber ich bin ja nicht irgendein Tod. Ich bin dein Tod, und nur für dich da. Oder möchtest du die fernen Länder lieber mit ihm bereisen?“ Sie sah unglücklich aus bei diesem Gedanken. „Nein, nein, meine Liebe“, sagte die alte Dame, „viel lieber mit dir. Du bist genau richtig. Komm, lass uns gehen.“ Sie nahm die andere an der Hand. Die junge Frau öffnete die Tür und half der alten Dame über die Schwelle.

:–:–:

 

„Ich glaube, das kann in die Altkleider …“ sagte die Tochter der alten Dame, aber ihre eigene Tochter (die ältere) rief „– was? – ne!“ Dann erklärte sie ihrer Mutter, dass in ein paar Jahren alle wieder so etwas anhaben würden und sie selbst schon mal gleich damit anfangen würde, „das Hemd hier zum Beispiel, das mochte sie auch so gern, und ich mags auch, nur halt nicht so zugeknöpft …“ Sie versuchte es von seinem Bügel zu streifen, und als das nicht ging, zupfte sie ein bisschen und dann rupfte sie ein wenig, und dann zerriss das Hemd an der Schulter, denn das Lieblingshemd wollte nicht von seinem Bügel und angezogen werden. Es wollte in die Altkleidersammlung und dann hoffentlich nicht (es hatte oft die Zeitung mitgelesen) irgendwo auf der Welt überteuert an arme Menschen verkauft werden, denen es nicht wirklich passte. Es wollte in den Schredder. Vielleicht würde es dann ein Buch werden, oder eher in hundert Büchern sein, und wenn nicht, dann eben nichts mehr. Das war vielleicht auch am besten.
„Siehst du, der Stoff ist schon ganz dünn und brüchig“, sagte die Mutter, aber ihre Tochter sagte, „Macht nichts, das kann ich flicken. Wenn ich vorsichtig bin.“
„Und ich will den Hut!“ sagte die jüngere Tochter bestimmt. „Der ist toll.“ – „Aber er ist dir doch noch viel zu groß“, sagte ihre Mutter, „wir heben ihn auf und wenn du noch ein bisschen gewachsen bist, dann kannst du ihn aufsetzen. Jetzt fliegt er dir doch nur weg …“ –  „Oh ja, endlich einmal“, dachte der Hut, „sie kann mich ja wieder einfangen, sie kann bestimmt schnell laufen.“ Aber das Mädchen hielt den Hut mit seinen schönen blauen Bändern hoch, setzte ihn auf (er rutschte ihr gewagt über die Ohren, statt wie früher elegant auf einem Dutt zu balancieren) und sagte: „Ich kann ihn doch festbinden! Siehst du, so! Ist doch cool!“
– „Naja, nicht cool“, sagte die ältere Tochter. „Siehst eher lustig aus damit. Jedenfalls läuft sonst niemand so rum. Mut zur Extravaganz!“, und sie dachte, … und das ist dann doch auch fast ein bisschen cool, sehr kleine Schwester; aber das sagte sie nicht.
Die Tochter der alten Frau zögerte, aber dann sagte sie, „Na gut. Aber du passt darauf auf, ja? Du ziehst ihn nicht in die Schule an oder so. Und vor allem nicht beim Toben. Also du kletterst mir nicht auf Bäume damit, ja?!“
„Ich wollte schon immer mal auf Bäume klettern“, dachte der Hut auf dem Kopf des Mädchens.
Das Mädchen strahlte ihre Mutter an und sagte: „Nein, ich zieh ihn nicht in die Schule an, ich versprechs!“– „Und …?“, sagte die Mutter mit ihrem besten strengen Blick, „Was versprichst du noch?“ Das Mädchen hielt sich den Hut vors Gesicht und sagte in ihn hinein, „Das mit den Bäumen versprech ich auch.“ „Gut“, sagte ihre Mutter.
„Gut!“, dachte der Hut.

Vor dem Esszimmerfenster stand ein großer alter Baum. Jetzt flatterten aus seinen Zweigen zwei Gestalten auf. Man konnte sie in der Abenddämmerung nur undeutlich erkennen, aber sie sahen fast so aus wie große Fledermäuse, die eine weiß, die andere schwarz mit etwas Grau und Rot und einem langen, tieforangen Schwanz, der in der Luft wehte – aber mit metallisch glänzenden, schlanken Köpfen und langen gebogenen Schnäbeln. Sie hielten sich schwerfällig in der Luft und flogen schwankend davon, mit langsamen, noch etwas unbeholfenen Flügelschlägen.
„Schau mal!“ rief die jüngere Tochter und lief zum Fenster. „Ein kleiner Drache und ein Gespenst!“„Ach, du spinnst“, sagte die ältere. „Das sind doch nur zwei große Vögel.“ Sie hatte gerade keine Lust, hinzusehen.
– „Adieu, guter Hut!“ flatterte die Camisole, schon fast hinter dem nächsten Schornstein. „Viel Spaß auf den Bäumen!“
– „Adieu“, winkte der Hut in der Hand des kleinen Mädchens, „viel Spaß mit dem Wind!“

Und der Mantel winkte ihm zurück

 

Adieu.

 
 
 
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.