Encores

Vorgestern Nacht hab ich geträumt, ich sei bei einem Konzert von Nils Frahm; so weit, so realistisch, es fand aber in einer Schulturnhalle irgendwo in der Provinz statt, und das Publikum bestand aus genau acht Leuten. Im hinteren Teil der Halle hockten vier Schüler an der Wand, die vermutlich von ihrem Musiklehrer geschickt worden waren, ich und noch jemand drückten uns am Ausgang zur Umkleide herum, und in einem kleinen Kabuff zu unsrer Rechten, vermutlich eine Kammer für Matten und Bälle, waren noch zwei. Der Vortragende spielte unbeirrt sein Konzert, nur einmal verließ er die Bühne und ging zu den vier Jugendlichen, um sie zu bitten, doch etwas weiter nach vorne zu kommen.

Ich glaube, ich hab die Nacht als Statist in einem Alptraum von Herrn Frahm verbracht.

Dann wäre aber zu sagen: Es war trotzdem ein sehr gutes Konzert. Die beiden Tschechinnen sangen in der Zeugkammer von Anfang bis Ende jedes Wort in ihrer Muttersprache mit, und ich dachte noch, dass es sehr groß sei, vor acht Leuten mit derselben Hingabe zu spielen wie vor dreitausend. Ich habe mich auch überhaupt nicht gefreut, mittendrin schon aufzuwachen, ich hätte viel lieber bis zum Ende zugehört. Werter Herr, es war wirklich ein sehr, sehr gutes Konzert.

***

Dieser Tage sitze ich öfter am Schwabinger Bach herum, und vielleicht werd ich auch mal wieder ganz reinspringen, aber man muss ein bisschen aufpassen, da werden gern mal Dinge mit einigem Schmackes mitgetrieben, die man vielleicht nicht unbedingt ins Gesicht oder an den Hinterkopf bekommen möchte. Das aber immerhin in recht geordneter Formation:
Montag schwamm ein dunkelblauer Badelatschen daher, etwa eine Viertelstunde später folgte ihm sein Kollege eben nicht auf dem Fuß, sondern ebenso fußlos. (Nur fragt man sich da doch, warum? Wenn der erste sich vermutlich gegen den Willen des Besitzers davongemacht hatte, wurde der andere dann, nachdem der Verlust entdeckt war, absichtlich hinterhergeworfen, macht das jemand so, damit der Plastikmüll wenigstens korrekt und vollzählig im Meer erscheint?)
Gestern: Zuerst eine leere Craft-Bier-Flasche, klein, aber solide und schnell; ungefähr fünf Minuten später zwei Herren auf Luftmatratzen, nur einer davon mit Flasche Bier, der andere bierlos, beide ausdrücklich megagechillt, danke der Mitteilung.
Mir war das so irgendwie zu offensichtlich, wie ein Memoryspiel mit offenen Kärtchen.
Heute: Ente mit drei Küken. Fein.

***

Auf der Theresienwiese wird derweil seit dieser Woche die überbewertete Festivität wieder aufgebaut. Zwei Wochen Fest, zwei Monate Aufbauzeit, die Stadt kostets Geld, die Anwohner bis dahin und drüber raus Umwege, die Münchner im Allgemeinen eine Freifläche zum drauf Platz haben (das ist man als Münchner ja nicht so gewohnt, das kann schon mal schön sein) und die Kamille die Kamille, mei. Aber, irgendwas, vermute ich. Immerhin ist das Aufbauen auch ganz interessant zum Zugucken. Und die zehminütige Öffnung der Ost-West-Querung jeweils zur vollen Stunde für die, die gradaus drüberwollen, gibt dem Ganzen was von einem Fähranleger, ohne Fähre oder Wasser halt, aber mit Containern und Kränen und Warten vor dem verschlossenen Tor, dann kommt ein Mann in Arbeitsklamotten und schiebt die Absperrung zur Seite, alles strömt hinein und dann geht es rüber zum anderen Ufer, wo sich die Bäume im Asphalt spiegeln, naja fast.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.