Die letzten Tage habe ich, eher grundlos, ein paar Mal mit Leuten über nationale Regelungen bei der Übernahme und Weitergabe von Nachnamen geredet. Man war ziemlich einhellig der Meinung, der einzige wirkliche Vorteil davon, sich bei Heirat auf einen Nachnamen zu einigen, sei der, gegebenenfalls einen weniger schönen gegen einen schöneren Namen eintauschen zu können. Würde ich zum Beispiel den mir lose bekannten Herrn Mütze heiraten, würde ich ohne zu zögern auch Mütze heißen wollen. Bei seinem Kollegen Herrn Nase müsste ich mir das noch überlegen. Bei einer Liason mit hypothetischen Herrn Schal oder Frau Taschentuch würde ich eine Namensübernahme beinah ausschließen. Und wäre mein eigener Nachname Barbosa, käme das alles ja überhaupt nicht in Frage.

Selber finde ich Hausnamen am praktischsten. Für Städter: Man wird dann so genannt, wie das Haus heißt, in dem man wohnt, egal wie der eigene Nachname so ist oder wäre. Das Haus heißt zum Beispiel Geischt[1] oder Schichtl[2] oder Kischtala[1] oder Grawer[3], und wer darin lebt, heißt genauso. Da sind alle Bewohner und vermutlich bei Bedarf auch Haus- und Hoftiere eindeutig getaggt, wurscht woher sie kommen und wie sie in dem Haus gelandet sind, solang sie da daheim sind, heißen sie auch so, ob mit oder ohne angehängten Vornamen, da gibt es keine Verwirrung, wer wo hingehört.
Funktioniert aber wohl besser aufm Land. In der Stadt wäre es vielleicht auch komisch, würden zum Beispiel alle Bewohner im Pharao-Haus[4] „Pharao“ genannt, da weiß man wieder nicht, der Pharao vom fünften Stock oder der vom elften; das wäre dann eher so, als ob alle Holzkirchner „Holzkirchen“ geheißen würden, und zwar nicht nur von den Nachbardörflern, sondern auch untereinander. Du Holzkirchen, fahr mal deine Karre da weg, die steht in meiner Ausfahrt, da kommt ja kein Mensch vorbei. – Die ghört ned mir, die ghört dem Holzkirchn. – Ah!
 

[1]Quelle und Fremdtonspur: „Hausnamen“ von Kofelgschroa. Den Text kann man googeln, das Lied selbst (ich glaube, ihr bestes) zwar auch, da findet sich aber nichts mit Ton, muss man selber haben, um es hören zu können. Ja das ist manchmal noch so.

[2]Echtes Leben, lang her.

[3]Um hier nicht in Regionalismus zu verfallen. Dank an den Heimatverein Aue-Wingeshausen auch für die schöne Vokabel Quarzkeratophyrtuff. Qwertzuiopü.

[4]Denkmalgeschützt. Kann man googeln.